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Puerto Rico

Puerto Rico – nach dem Hurrikan

Übersetzt bedeutet Puerto Rico soviel wie „reicher Hafen“. Vor Hurrikan Maria, der am 20. September 2017 die Insel mehr oder weniger vollständig zerstörte, lebten etwa 3,5 Millionen Menschen in dem Außengebiet der USA. In den Wochen nach dem Unwetter sind ungefähr 500-700.000 Einwohner (meistens in die Vereinigten Staaten von Amerika) ausgewandert. Ferner verloren in etwa 1000 Menschen durch direkte oder indirekte Folgen der Naturkatastrophe ihr Leben. Der entstandene Sachschaden liegt bei etwa 95 Milliarden US-Dollar und FEMA (der Katastrophenschutz der USA) rechnet mit einer Einsatzdauer von ein bis zwei Jahre bis zum vollständigen Wiederaufbau.

Puerto Rico ist seit dem Hurrikan übrigens bankrott und die unterlassene Hilfestellung der USA macht die Situation nicht besser.  Es ist eine bittere Pille, wenn man in seiner Hauptstadt eine Straße den Statuen der Präsidenten der USA widmet, man denselben im Endeffekt aber derart egal ist, dass es schon an Unmenschlichkeit grenzt… America first. Da übrigens ein Großteil des Infusionsbeutelbedarf der USA in Puerto Rico gefertigt wird und die Produktion ohne Strom schlicht und einfach steht, kämpfen die amerikanischen Krankenhäuser mit schwindenden Ressourcen…Karma?

Verkehrschaos

Tes und ich waren vier Monate nach dem Unglück vor Ort und blieben für beinahe zwei. Wie schon in Mompiche hatten wir uns wieder einen Housesit gesucht, diesmal sollten es allerdings drei kleine Hunde statt Katzen sein. In San Juan angekommen nahmen wir uns einen Mietwagen und fuhren nach einem Besuch der Altstadt nach Ponce, unserem zu Hause für die nächsten Wochen.

Kaum hatten wir den Flughafen verlassen, bekamen wir die ersten Sturmschäden zu Gesicht: Umgeknickte Strommasten mit herunterhängenden Leitungen, die meisten der Verkehrsschilder waren in der Prärie verteilt, Ampeln entweder verschwunden oder zerstört und überall lagen teils meterdicke Bäume neben der Straße. In Anbetracht der kurzen Zeit nach der Naturkatastrophe sah die Insel weit besser aus als gedacht. Beinahe alle Straßen waren freigeräumt, man konnte alle Lebensmittel kaufen und Strom und Wasser waren auf etwa 70 % der Insel (Stand: Ende Februar 18) funktionsfähig. Am besten konnte man die Katastrophe an den Autos der Einheimischen erkennen. Viele Blechschäden, kaputte Lichter und verbogene Karosserien, die in diesen Formen von keinem Verkehrsunfall kommen können.

Hier lässt sich auch sehr einfach auf das Einkommen des Fahrers schließen. Reichere fahren wieder mit neuen Autos durch die Gegend, während Ärmere oft das Geld fehlt, um das eigene Fahrzeug auch nur ein wenig in Stand zu setzen. Aufgrund der zerstörten Ampeln herrschte vor allem in San Juan das reine Chaos, das nach einer einfachen Regel gelöst wird: Wer zuerst kommt, fährt zuerst. Schwierig, wenn die Straßen so überfüllt sind, dass keiner fahren kann. Wir haben daher in der Stadt für eine halbe Meile auch mal 45 Minuten benötigt.

San Juan…

Die Hauptstadt der Karibik-Insel beheimatet in etwa 400.000 Einwohner und ist das touristische wie auch wirtschaftliche und kulturelle Zentrum. Die ersten Siedlungen gehen auf den Anfang des 16. Jahrhunderts zurück und liefen zuerst unter dem Namen „Caparra“. Erst später wurde die Siedlung in „Puerto Rico“ umbenannt. Durch die Historie gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Am beliebtesten ist aber wohl die Altstadt, die mit vielen bunten Häusern, engen Gassen und jeder Menge Flair begeistert. Zu „Old San Juan“ gehören auch zwei Festungen (El Morro und La Fortaleza), die einen sagenhaften Ausblick auf das Meer sowie die Uferpromenade „Paseo de la Princesa“ liefern.

Nicht weit davon entfernt liegt die „Isla Verde“, die für ihren wunderschönen Strand bekannt ist. Im „Puerta de San Juan“ kann man Tauben füttern und bekommt einen schönen Ausblick über den Port der Kreuzfahrtschiffe. Allein bei einem Spaziergang durch die Stadt entdeckt man dutzende Statuen, Brunnen, Kunst in allen möglichen Formen und haufenweise historische Gebäude. Zusätzlich verfügt die Stadt über eine Unzahl von Museen (Kunst; Geschichte; Wildlife; etc), die mich bei 30 Grad Außentemperatur allerdings überhaupt nicht interessieren – wir haben auch nicht ein Einziges besucht.

…und das öffentliche Verkehrsnetz

Das öffentliche Verkehrsnetz auf der Insel ist übrigens wenig ausgebaut bis nicht vorhanden. Es gibt keine Busse die zwischen den Städten fahren, keine Straßenbahn und nur in San Juan eine U-Bahn. Dabei handelt es sich um die erste Schienenverbindung (17 km lang) der Karibik – ob sie nach dem Hurrikan funktioniert – keine Ahnung. Übrigens ist Puerto Rico für seine blühende Street-Art-Szene bekannt. Bilder dazu gibt es in einem meiner Instagram-Posts.

Ponce – die Stadt der Löwen…

Die Städte auf der Insel sehen sich alle recht ähnlich und lassen den amerikanischen Einfluss stark durchblicken. Auch die „Stadt der Löwen“ macht hierbei keinen Unterschied und besticht durch aneinandergereihte Fast-Food-Ketten, Walmarts und Walgreens sowie Drive-Thru Bankschalter und Apotheken. Das Shopping kommt also nicht zu kurz und unterstreicht den amerikanischen Einfluss zusätzlich. Alles dreht sich um das Einkaufen und Essen, man wird mit Werbung überschüttet und sieht überdurchschnittlich viele übergewichtige Menschen.

…und seine Sehenswürdigkeiten

An Sehenswürdigkeiten bietet die Stadt nicht unbedingt viel. Ein Besuch der Innenstadt und vor allem des „Plaza Las Delicias“, der direkt neben der „Ponce Cathedral“ und den „Parque de Bombas“ (Feuerwehrmuseum) liegt, ist empfehlenswert. Das Gebäude gilt als die Sehenswürdigkeit mit dem höchsten Wiedererkennungswert der Insel und wurde im Jahr 1882 eröffnet.

Unweit neben dem Museum steht ein Obelisk als Erinnerung an sieben Feuerwehrmänner. Im Jahr 1899 hatten diese den Befehl amerikanischer Streitkräfte verweigert und ein Feuer gelöscht, dass im Schwarzpulverlager der Soldaten ausgebrochen war. Nur knapp entging die Stadt einer Katastrophe, die die Wirtschaft der kompletten Insel zerstört hätte – schließlich war Ponce damals das Bank- und Agrarzentrum der Insel. Als Dank wurden den Feuerwehrmännern Häuser zur Verfügung gestellt, die ebenfalls in den Farben der Stadt (Rot/ schwarz) bemalt wurden und heute noch stehen.

Andere beliebte Ziele in Ponce sind der „Paseo tablado la Guancha“ – die Strandpromenade, die abends zur Partymeile wird sowie das Cruceta del Vigía – ein überdimensionales Kreuz, von dem man einen wunderschönen Ausblick über die Stadt hat. Zum Besuchen der Sehenswürdigkeiten ist ein Mietwagen allerdings Pflicht – wie gesagt – es gibt keinen öffentlichen Nahverkehr.

 Die Strände der Insel

In unseren sieben Wochen auf der Insel haben wir Strände in allen Himmelsrichtungen besucht. Mein Favorit war dabei der „Jungle Beach“ an der Südküste, dazu ein kurzes Video von Tes in den Mangroven:

 

Ansonsten findet man überall wunderschöne Sandstrände, einen Favoriten festzulegen ist somit äußerst schwierig. Am beliebtesten bei Touristen sind, neben der genannten Isla Verde, die Strände in Rincon an der Westküste. Hier machen für gewöhnlich viele Amerikaner Urlaub. Bei unserem Besuch war allerdings kaum ein Tourist zu sehen und die Promenade und Geschäfte verlassen. Die Preise waren daher günstiger als in San Juan oder Ponce und bieten einen weiteren Grund die Insel zu besuchen – und nur durch Urlaub Menschen zu helfen.

Viele der Strände, die wir besuchen wollten, waren nicht zugänglich. Teilweise versperrten umgefallene Bäume den Weg, einmal war die Straße vom Hurrikan ins Meer gerissen worden – an anderen Stränden lag einfach zu viel Geäst und Müll, als das man entspannt Baden konnte. Ansonsten sagen Bilder wohl mehr als tausend Worte, besonders wenn es um Sandstrände, Palmen und das Meer geht. In der Galerie kann wie immer mit den Symbolen links gezoomt werden.

Die Sehenswürdigkeiten der Insel

Ansonsten bietet die Insel viele Sehenswürdigkeiten wie den „El Yunque National Park“. Für gewöhnlich kann man hier über Pfade den Regenwald erkunden, aufgrund des Hurrikans war aber nur ein Wasserfall zugänglich. Der Rest wurde als noch nicht sicher bezeichnet – schließlich muss der Pfad freigeräumt und einige Bäume überprüft werden. Einige Wochen später haben wir von anderen Touristen gehört, das ein Pfad begehbar ist. Dieser dauert allerdings nur 15 Minuten, da eine eingestürzte Brücke den restlichen Pfad blockiert. Von der Straße zu dem Wasserfall bekommt man trotzdem eine wunderschöne Aussicht, die die Fahrt in den Park allemal wert ist.

Wir haben viel Zeit damit verbracht, mit dem Auto die Insel zu erkunden und sind dabei auf zahlreiche schöne Plätzchen gestoßen. Zum Beispiel die „Birth of a new World“-Statue, die Christopher Columbus in einer Größe von dezenten 110 Metern darstellt. Sie wurde einigen amerikanischen Städten wie Baltimore, Miami, New York und Fort Lauderdale angeboten, allerdings wollte niemand das Kunstwerk aufstellen. Schließlich würde es die Skyline ruinieren. Nach etlichen Jahren hin und her wurde das Denkmal schlussendlich in Arecibo errichtet und ist seitdem die höchste Statue der Hemisphere. Zusätzlich haben wir noch einige Leuchttürme besucht und versucht in Outlet-Malls zu shoppen. Unsere erste Anlaufstelle war dazu das „Premium Outlet“ an der Nordküste. Hier waren nicht einmal die Hälfte der Geschäfte geöffnet. Die „Outlet Mall 66“ war komplett geschlossen – beide vermutlich aufgrund der Schäden durch das Unwetter.

Die Bio-Bays

Eine weitere Besonderheit der Insel sind die drei verschiedenen „Bio-Bays“, von denen weltweit nur zwölf existieren. Dabei handelt es sich um fluoreszierende Kleinstlebewesen, die das Meerwasser nachts aufleuchten lassen. Es muss ein wunderbares Spektakel sein, das nach dem Hurrikan langsam wieder zurückkehrt – wir hatten leider keine Möglichkeit uns selbst davon zu überzeugen. Entweder war der Bay noch geschlossen, Vollmond (bei dem man kaum etwas sieht) oder es antwortete einfach niemand auf unsere Nachrichten.

Die Tierwelt

Die Tierwelt in Puerto Rico wurde durch den Hurrikan stark dezimiert. Zu Gesicht bekommen haben wir Fledermäuse (die letzten nativen Tiere der Insel), Iguanas, Geckos und verschieden Arten von Vögeln wie Kondore, Möwen, Tauben und Antillengrackel (schöne, pechschwarze Vögel). Von Einheimischen wurde uns erzählt, dass man früher oft Kolibris und Papageien zu Gesicht bekommen hat. Seit dem Hurrikan sind diese wie vom Erdboden verschwunden. Ansonsten haben wir eine Schildkröte gesehen – tot, neben dem Highway.

Auf den Straßen sind sehr viele streunende Hunde und Katzen unterwegs. Selbst im El Yunque Park haben wir zwei verlassene Samtpfoten entdeckt. Die meisten der Streuner gehörten Auswanderern und wurden nach dem Hurrikan einfach ihrem Schicksal überlassen und ausgesetzt. So sieht man am Straßenrand oft tote Hunde liegen, mehr als ich bisher in sonst einem Land gesehen habe – laut Tes aber weniger als in Asien.

Fazit

Ich habe die sieben Wochen in der Karibik sehr genossen. Das Klima ist meiner Meinung nach sehr angenehm und die Natur und Strände schlichtweg Spitzenklasse. Allerdings liegt noch viel Arbeit vor den Bewohnern der Insel. Es sind schließlich noch viele Häuser mit den blauen Planen der Hilfsorganisationen bedeckt und es gibt noch unglaublich viel zu reparieren.

Genau aus diesen Gründen sollten Urlauber die Karibik-Insel als Reisedestination in Betracht ziehen. Die Strände sind unglaublich, das Essen schmeckt und die meisten Leute sind freundlich und zuvorkommend – solange sie nicht hinter einem Lenkrad sitzen. Wir mussten uns damals zwischen Peru, das eine Busreise von Ecuador entfernt war, oder der Karibik-Insel entscheiden – im Nachhinein bin ich froh, das wir Puerto Rico gewählt haben. Eine Insel nach einem solchen Unglück zu sehen, ist bestimmt kein Privileg, aber eine Erfahrung, die hängen bleibt.

Ich habe übrigens absichtlich wenig Fotos der Zerstörung in die Galerien gesetzt. Ich will mit diesem Beitrag nicht das Ausmaß des Chaos, sondern die immer noch vorhandene Schönheit der zeigen.

Als nächstes sind wir mit einem Kreuzfahrtschiff einige Inseln in der östlichen Karibik abgefahren. Beiträge über St. Thomas, Barbados, St. Lucia, Saint Kitts und Sint Maarten kommen also in nächster Zeit.

 

C-L

 

 

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