Geschriebenes: Wie ich anfing zu schreiben

Geschriebenes: Was tun, wenn einer geht
28. Juni 2019

Geschriebenes: Wie ich anfing zu schreiben

Die folgenden Zeilen habe ich für die Facebook-Seite “Die Zeilenflüsterin” geschrieben. Es ging darum, eine persönliche Geschichte, die für meine Leser interessant sein könnte, niederzuschreiben. Ich habe mich dazu entschlossen zu teilen, wie ich zum Schreiben gekommen bin. Viel Spaß damit:

Wie ich zum Schreiben anfing

Ich bin 1986 in Rumänien geboren und als vierjähriger nach dem Fall der Mauer nach Deutschland gekommen. Hier bin ich aufgewachsen wie die anderen Kinder, mit kleinen Unterschieden in der Tradition, dem Essen und auch einem irgendwie anderen Verhältnis zu Freunden und Familie. In meinen Augen hatte meine Familie ein engeres Verhältnis als die, der anderen Kinder. Bei uns kam mir der Zusammenhalt stärker vor. Man half sich ungefragt und unterstütze die anderen. In meinen Augen war ich trotz meiner Herkunft Deutscher und auch Bayer, da ich deutschsprachig erzogen wurde, meine Vorfahren aus Deutschland stammen und ich den nordschwäbischen Dialekt spreche – a bissl wie Augschburgerisch.

Grundschule

Schon als Kind in der Grundschule antwortete ich ungewöhnlich auf die Frage, was ich einmal werden wollte. Bei den anderen war es Feuerwehrmann, Polizist oder das, was der Papa macht. Ich wollte schon in der zweiten Klasse Autor werden und Bücher schreiben. Dabei kann ich mich noch gut an einen Aufsatz aus der vierten Klasse erinnern. Ich schrieb etwas über das Angeln, obwohl ich nie Fischen war. Da ich zu dieser Zeit die Bert-Bücher von Anders Jacobsson und Sören Olsson las, driftete mein Aufsatz in den Stil der Autoren ab. Das war alles andere als gefordert und ich bekam ausnahmsweise eine schlechte Note. So beschloss ich als Kind, dass ich möglichst wenig lesen wollte, weil ich sonst schreiben würde, wie die anderen. Das habe ich bis heute so beibehalten und nur wenige Bücher gelesen. Als Autor mag das ungewöhnlich klingen, für mich war es der richtige Weg.

Anstatt zu lesen, begann ich in frühen Jahren in meinem Kopf zu Reimen. Egal welche neuen Wörter ich hörte, ich suchte passende Reime, versuchte sie in meinem Verstand zu ordnen und mir Eselsbrücken zu bauen. Dabei war ich immer sehr interessiert an den Liedtexten verschiedenster Künstler. Mich interessierte, was sie damit aussagen wollten und ich mochte Zweideutigkeit und Metaphern. Je tiefsinniger ein Text war, umso besser gefiel er mir. Für mich war es eine Kunst, über das eine zu reden und doch etwas anderes zwischen den Zeilen zu verstecken und mitzuteilen.

Die ersten Versuche

Selbst zu schreiben versuchte ich zum ersten Mal mit 16 Jahren. Im geheimen, für mich allein. Allerdings kam dabei nur Schund heraus, den ich kurz nach dem Schreiben verbrannte. Wenn ich anfing Tagebuch zu führen, wurde mir das nach wenigen Tagen zu blöd. Ich wollte andere Dinge niederschreiben, doch war mir unklar, was genau ich damit meinte. Meine Geschichte war es nicht. Sie war und ist für mich etwas, dass ich erlebe und erzählen will, anstatt sie in einem Buch zu verpacken. Also hing ich jegliche Schreibarbeit wieder an den Nagel.

Meine berufliche Laufbahn

So folgte ich einer „gewöhnlichen“ beruflichen Laufbahn. Ich schloss eine Ausbildung zum Industriemechaniker ab und arbeitete als CNC-Fräser. Die Arbeit war für mich ein Beruf, ich suchte aber nach meiner Berufung. Nach einigen Jahren drängte ich dementsprechend nach Veränderung und meldete mich bei einer Fortbildung zum Maschinenbautechniker an. Da ich mit der Anmeldung viel zu spät war, blieb mir nur eine Stelle in Thüringen übrig. Ohne groß zu Überlegen sagte ich zu und verbrachte zwei Jahre in Gera, die in mir vor Allem meinen Reisedrang weckten. Vorher war ich selten allein gewesen und kaum aus meiner Wahlheimat rausgekommen. Nach dem Techniker wollte ich reisen und suchte mir Arbeit, durch die ich Projekte auf der ganzen Welt abwickelte. Ich lernte Menschen von überall kennen und bemerkte, wie gerne ich aus dem Koffer lebe.

Nach einigen Jahren drängte ich nach einer Möglichkeit, um mich von der Projektarbeit zu entfernen und mich weiterzuentwickeln. Da ich immer Menschen helfen wollte, suchte ich mir also Arbeit in der Medizintechnik. Ich wollte, wenn ich auch nur ein kleines Rädchen in dieser Medizinmaschinerie war, etwas tun, um andere zu heilen und ihnen ein besseres oder längeres Leben ermöglichen.

Mein neues Leben

Zu dieser Zeit lernte ich auch meine Lebensgefährtin Anna-Theresa kennen, die, zwei Wochen nachdem wir ein Pärchen wurden, bei mir einzog. Wir sitzen seitdem manchmal monatelang 24 Stunden am Tag aufeinander, ohne dass man ein lautes Wort hört. Da sie ebenso reiseverrückt ist wie ich, beschlossen wir nach etwa einem gemeinsamen Jahr uns Arbeit in Südafrika zu suchen und auszuwandern. Gesagt, Getan. Zum Glück ging unser gemeinsames Arbeitsverhältnis kurz nach dem Monat Probearbeiten in London in die Brüche und wir standen mit leeren Händen da. Wohnung, Auto und Möbel waren verkauft, die meisten Gebrauchsgegenstände verschenkt – wir besaßen jeweils noch zwei Koffer und Geld auf dem Konto. Andere wären wahrscheinlich durchgedreht – wir buchten ein One-Way-Ticket nach Marokko (Darüber findet ihr einige Texte in meinem Blog. Mein Favorit: Chefchaouen.)

Insgesamt reisten wir sieben Wochen durch das Königreich und erlebten viele Dinge, die mich nachhaltig veränderten, wie alle meine Reisen. Aufgrund des Schicksalsschlags, den die Firma verursacht hatte, beschloss ich, dass ich nur noch für mich arbeiten wollte und fing an, meinen ersten Roman „Mitternachtssonne“ zu schreiben. Ich war mittlerweile 30 und hatte jahrelang über das Buch nachgedacht, aber nie den Mut gehabt, meine Gedanken auf Papier zu bringen. Da ich nach wie vor kaum andere Bücher gelesen hatte, kam nach unzähligen Nacharbeiten, Korrekturen und Verbesserungsrunden ein ungewöhnliches Buch heraus, das sich mit meiner damaligen Ansicht vom Universum beschäftigt und einem Roman entspricht, den ich gerne gelesen hätte, als ich etwa 20-24 Jahre alt war. Wir waren dann den Sommer über in Deutschland und machten uns zum Überwintern nach Südamerika auf.

Mein wichtigstes Jahr

Dort verbrachten wir die Monate in Ecuador (Abseits von Touristen, Regenwasser zum Duschen und Trinken, ohne Kühlschrank), Puerto Rico (nach dem Hurrikane; eine einschlägige Erfahrung) und einigen karibischen Inseln als auch Florida und abschließend Spanien. In Ecuador fing ich an, meinen ersten Roman ins Englische zu übersetzen. Das war für mich die einzig logische Handlung, da ich dachte, dass Übersetzen weitaus einfacher wäre als etwas neu zu schreiben und ich meine Zielgruppe massiv vergrößern würde. Ich brauchte bis in den Sommer um „Midnight Sun“ fertigzustellen.

Während ich dabei war English auf schriftstellergerechtem Niveau zu erlernen, beschlossen Theresa und ich, dass wir zusammen ein Buch für Kinder machen wollten. Inspiriert von der karibischen Insel „St. Kitts and Nevis“ entstand dabei unsere Figur Nevis – die Raupe, die im Kokon steckt. Ich dachte mir eine Geschichte aus, Theresa illustrierte sie und ich reimte die Story der unglücklichen Raupe, die ständig darauf wartet, dass etwas passiert, damit sie glücklich ist, anstatt einfach glücklich zu sein. Hier habe ich mein oben erwähntes Reimen anwenden können und ein Buch geschrieben, dass ich in einem Alter ab etwa 7 Jahren gerne gelesen hätte. Das Buch sieht nach einem Kinderbuch aus, eignet sich aber auch für Erwachsene, die Poesie und Gedichte mögen. Die Illustrierungen geben dem Buch schlichtweg den „Look“ eines Kinderbuches.

Der Weg zum Bühnenstück

Dieses Buch geriet in die Hände der zuständigen Person für Stadterneuerung der Stadt Ludwigshafen am Rhein – und man fragte mich an, ob ich ein Bühnenstück im Universum der Raupe Nevis schreiben könnte. So entstand „Nevis und der Müll“ – dass sich um Sauberkeit dreht und Kindern und Erwachsenen verständlich erklären soll, dass ihre Taten einen Einfluss auf die Gemeinschaft haben. Die Uraufführung des Stückes wurde allerdings verschoben und wird erst im Jahr 2020 realisiert.

Da die Geschichte des Bühnenstücks gut ankam, wurde nochmals ein Buch von Nevis angefragt, das die Bewusstseinsarbeit der Stadt unterstützen soll. Es entstand „Nevis vom Pfalzgrafenplatz“, in dem die Insektenschule von Nevis am Wandertag durch Ludwigshafen kriecht und Schulen, Plätze und Gebäude vorstellt. Das passiert im Teamwork und soll Kindern als auch Erwachsenen auf eine verständliche Weise erklären, dass man zusammen mehr erreicht. Außerdem richtet sich das Buch gegen Gewalt und für das Recyceln von Müll.

Dadurch, dass ich während des Schreibens des Bühnenstücks bereits an meinem nächsten Roman und einem neuen illustrierten Buch mit meiner Lebensgefährtin arbeitete, bemerkte ich, wie leicht es mir fällt, an mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten. Da ich auch viel mehr Ideen habe, als Theresa illustrieren kann, fand ich einen anderen Weg und fing an, mir Künstler zu suchen.

Durch die Erfahrungen auf meinen Reisen kann ich sehr leicht auf fremde Menschen zugehen und komme gerne ins Gespräch, schreibe Fremden eine Nachricht, und so weiter. Früher war das für mich undenkbar. Mit den Künstlern arbeite ich nun an grundverschiedenen Büchern. Ich gestalte die Geschichte, sie bringen die Bilder aufs Papier – immer mit dem Ziel, ein Buch zu schaffen, bei dem beide gerne ihren Namen auf dem Cover haben.

Meine Zukunft

Mittlerweile habe ich Illustratoren in Bielefeld, Kassel, in der Nähe von Kiel und Oklahoma sitzen, mit denen ich verschiedenste Projekte realisiere. Während ich immer noch an meinem nächsten Roman „Mondlicht“ arbeite, einen Ratgeber über das Leben gestalte und die Geschichte für einen Comic, der mit extrem schwarzen Humor auf Umweltzerstörung und Rassismus hinweist, schreibe.

Hier eine kurze Übersicht über die illustrierten Bücher, an denen ich derzeit arbeite:

„Sarya“ erzählt von der Verbindung zur Natur, dargestellt durch ein Mädchen in Afrika, das mit zwei Löwen aufwächst. Dabei baut sie eine unbeschreibliche Verbindung zu den Tieren auf und erlebt ein Abenteuer, um ihre Mutter zu retten.

„Orla Oktopus“ behandelt die Geschichte eines Oktopus, der noch im Ei von der Mutter weggetrieben wurde. Da sie nicht weiß, wer oder was sie ist, sucht sie ihren Platz im Meer. Dabei passt sie sich ständig an andere Lebewesen an, ist allerdings nie so richtig zufrieden.

„Schwarz malen“ richtet sich gegen Rassismus. In der Geschichte weigern sich Buntstifte mit dem Bleistift zusammenzuarbeiten, weil er farblos ist. Eigentlich brauchen sie ihn, weil er die schönsten Skizzen malen kann und die Buntstifte zum Ausmalen derselben geschaffen wurden.

„Kreis und Viereck“ beschreibt die ungewöhnliche Liebesgeschichte eines Kreises und eines Vierecks, die in einer Welt leben, in der es nur Grundformen und Grundfarben gibt. Das Buch wird aus Tonpapier gebastelt und außergewöhnlich, beinahe abstrakt aussehen.

„Die Hunde-Detektive“ richtet sich an Detektive und die, die es noch werden wollen. Es ist eine Kombination aus Sticker-Buch und Schnitzeljagd, bei dem sich zwei Kinder auf die Suche nach ihrem entlaufenen Hund begeben. Die Geschichte wird dabei vom Leser mit Stickern vervollständigt.

Zusätzlich habe ich noch einige Ideen auf meiner Homepage www.C-L-LUDWIG.com hinterlegt, für die ich passende Illustratoren suche. Zudem findet man einen Blog über meine Reisen, Musik, Kurzgeschichten und was mir sonst noch Spaß macht.

Ich habe diese Geschichte ausgewählt, weil sie den Lesern zeigen soll, dass man seinen Träumen folgen sollte, besser früher als zu spät. Ich habe dafür viele Jahre gebraucht, aber erst als ich damit angefangen habe, fing mein Leben an mir richtig  Spaß zu machen. Genau das möchte ich auch in meinen Büchern ausdrücken: Das Leben ist schön, man muss die Schönheit allerdings erkennen. Meine Bücher sollen dabei Hilfestellung geben.

C-L

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