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Marokko: Essaouira

Ankommen in Essaouira

Essaouira ist eine Hafenstadt mit ca. 85.000 Einwohnern. Die Altstadt (Medina, siehe unten) gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist für mich einer der schönsten Orte in Marokko. Zuerst möchte ich aber über unsere Ankunft in der Stadt sprechen:

Wir kamen mit dem Bus nach Essaouira und stiegen am Busbahnhof aus. Ich fragte damals einen der Anwohner nach dem Weg zur Medina, in der wir unser Hotel gebucht hatten. Als Antwort bekam ich ein schlichtes: „Einfach immer der untergehenden Sonne nach!“ Gesagt – getan! Wir liefen also in Richtung Sonne und verirrten uns völlig in der Stadt. Nachdem wir einige Male am gleichen Verkäufer vorbeigelaufen waren, hielt dieser mich an und fragte, ob er helfen könne. Ich erklärte die Situation und nannte ihm den Namen unserer Unterkunft.

Tee trinken in der Altstadt

Es dauerte keine zwei Minuten und um uns hatte sich eine Traube Marokkaner gebildet. Alle diskutierten lautstark auf Arabisch – wo denn dieses Hotel sei. Insgesamt waren es etwa acht Männer, die alle wild gestikulierten, Motorradfahrer aufhielten oder Anrufe tätigten, nur um unser Hotel zu finden. Ich war sprachlos! Eine solche Gastfreundlichkeit hatte ich noch nicht erlebt! Nach einiger Zeit fand sich dann ein Einheimischer, der das Hotel kannte und uns zum Ziel lotste. Wie in Marokko üblich gibt man im Anschluss an geleistete Dienste eine kleine Geldspende – die hatte er sich auch redlich verdient. Ohne ihn hätten wir das Hotel in den vielen engen Gassen der verschachtelten Altstadt nie gefunden.

Die portugiesische Burg

Die Medina

Anfangs kommt einen die fremde Medina äußerst verwinkelt und unüberschaubar vor. Nach einigen Tagen (wir blieben eine Woche) findet man sich allerdings gut zurecht – es handelt sich aber auch um die „einfachste“ Medina von allen Städten, in denen wir zu Besuch waren. Essaouira hat touristisch übrigens nicht allzu viel zu bieten, außer eine alte portugiesische Festung (die als Drehort für Game of Thrones diente), ein paar Museen bzw. Galerien und natürlich den Strand.

Einige Schnappschüsse aus der Altstadt 

Dafür ist die Stadt voll mit freundlichen Menschen und Händlern, die einfach gerne ein Gespräch führen. Da unser Hotel so gelegen war, dass wir auf unserem täglichen Weg zum Frühstück bzw. Abendessen an einigen Verkäufern vorbeikamen, kannte man uns nach einigen Tagen und die Begrüßungen wurden immer herzlicher. Ständig wurden wir gefragt, ob alles okay ist, ob wir Marokko mögen und was wir noch vorhaben. Es war völlig entspannt und gegen Ende der Woche kam ich mir vor wie unter Freunden. Wir lernten marokkanische Rapper kennen, wurden von Fremden nach Hause auf einen Tee eingeladen und benötigten nur noch ein Handzeichen, um in unserem Stammcafe die gewöhnliche Bestellung zu bekommen. Es war einfach wunderbar!

Was die Händler so verkaufen

Ich beim Händewaschen nachdem wir Farbpulver gekauft haben

Die Burg mit Ausblick auf den Hafen

Marokkaner und streunende Tiere

Die Altstadt ist äußerst bunt und vielfältig gestaltet. Bei jedem Streifzug entdeckt man zudem etwas Neues, auch wenn es nur Kätzchen sind. Was mich hier sehr beeindruckt hat, ist die liebevolle Art, mit der sich die Einheimischen um streunende Katzen und Hunde kümmern. Jeder füttert täglich irgendwelche Tiere, die einfach durch die Altstadt ziehen oder dort leben. Die Tiere gehören sozusagen keinem und doch allen – in Deutschland wäre das undenkbar.

Nochmal der Hafen, dort ist der Fischmarkt

Der Fischmarkt

Was man in Essaouira noch gesehen haben sollte, ist der täglich stattfindende Fischmarkt am Hafen. Hier werden die verschiedensten Tiere, ohne Kühlung und einfach auf Tüchern oder in Kisten ausgebreitet, zum Verkauf angeboten. Hygiene-technisch wohl grenzwertig, aber frischer geht es nicht. Wenige Meter neben dem Markt bekommt man den Fisch dann an unzähligen Ständen zubereitet – ein Tipp für Touristen!

Ich bin ein Dieb – angeblich

Während wir an einem Nachmittag unseren täglichen NusNus (siehe oben) schlürften, kam eine deutsche Reisegruppe an uns vorbei. Eine der Frauen hatte ein kleines Sonnenschirmchen dabei und man konnte an den Gesichtern der Verkäufer genau sehen, was sie dachten: „Die hat sie nicht alle!“ Die Gruppe selbst wirkte irgendwie verängstigt und die Frauen klammerten sich an ihre Handtaschen, während die Männer ihre Rucksäcke auf dem Bauch trugen. Sie hatten vermutlich Angst vor Taschendiebstahl. Einige Stunden später lief ich mit Tes im Schlepptau an der Gruppe vorbei, relativ eng an der Frau mit dem Sonnenschirm. Ich trug zu dieser Zeit einen längeren Bart, war braun gebrannt und wirkte wohl gefährlich. Im Augenwinkel konnte ich nämlich erkennen, dass ihr Mann die Frau zu sich zog und hörte ihn sagen: „Pass auf, nicht dass der dir noch was klaut!“

Ein Parkplatz am Hafen

Für gewöhnlich bin ich nie sprachlos, in dieser Situation war ich es! Natürlich habe ich daraufhin das Ganze auch nicht aufgeklärt, sondern erst einige Meter später angefangen zu lachen. In unseren beinahe sieben Wochen in Marokko haben wir nie etwas von Diebstahl oder sonstige Vergehen an Touristen mitbekommen. Man braucht also wirklich keine Angst zu haben. Die Rate an Taschendiebstahl ist zum Beispiel geringer als in Europa (!), vor allem im Gegensatz zu Spanien. Ich persönlich fühle mich in Marokko sogar sicherer als irgendwo in Deutschland.

Die Strandpromenade

Zum Abschluss noch ein kurzes Fazit: Bevor man in Agadir Urlaub macht, sollte man Essaouria besuchen. Es ist einfach viel schöner!

Frisch gepresster Orangensaft 

Mehr über unsere Reise durch Marokko dann im nächsten Beitrag – Casablanca.

Straßenkunst

C-L

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