Lesung: Die Stifte in meiner Schublade
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Hallo!

Im Jahr 2019 habe ich für die Seite „Childrensbooklist“ ein Interview auf Englisch gegeben. Die Seite ist inzwischen nicht mehr auffindbar, deshalb poste ich das übersetzte Interview hier noch einmal. Zusätzlich habe ich noch ein paar Kommentare eingefügt. Ich würde inzwischen manche Fragen nämlich anders beantworten.

 

Wie können Sie als Autor erkennen, wann der richtige Zeitpunkt zum Schreiben ist?

Ich arbeite an mehreren Projekten gleichzeitig – auf diese Weise ist immer der richtige Zeitpunkt, um an einem davon zu arbeiten. Manche handeln vom Glück (Glücklichsein mit Nevis), manche von der Trauerbewältigung (Die Stifte in meiner Schublade) und andere erzählen von der Natur (Sarya) oder vom Leben und Rassismus (Schwarz Malen).
Beim Wechsel zwischen den Projekten mache ich meist eine kurze Pause, bekomme den Kopf frei und fange einfach an. Die Ideen kommen während der Arbeit. Ich mache mir auch viele Notizen auf meinem Smartphone und verwende sie Monate bis Jahre später – es gibt immer etwas zu notieren.  

Update: Inzwischen würde ich sagen: Ich muss Lust aufs Schreiben haben und mich danach fühlen, sonst vergeude ich meine Zeit vor dem PC.

 

Helfen Ihnen Spaziergänge in der Natur, um Inspiration zu bekommen? Wie?

Ja, ich lasse mich viel von der Natur inspirieren. Ich setze mich gerne hin und beobachte meine Umgebung, denn von der Natur kann man immer etwas lernen. Ich mag z.B. Insekten sehr gerne. Sie zeigen so viele verschiedene Arten der Zusammenarbeit, des Überlebenskampfes und das solch kleinen Wesen die wichtigsten Lebewesen auf der Erde sind: sie sind die Grundlage für jede andere Lebensform an Land. Meiner Meinung nach sind Kinder ein bisschen ähnlich – sie sind die Grundlage des menschlichen Lebens und unsere wichtigste Ressource.

Update: Den letzten Satz würde ich weglassen, das klingt komisch.

 

Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für das Kinderbuch entdeckt?

Beim Schreiben eines Romans dachte ich immer, dass ich das Schreiben eigentlich liebe, aber Romane sind nicht mein Ding. Auf der Suche nach etwas anderem, erinnerte ich mich an mein Lieblingsbuch als Kind: Raupe Nimmersatt. Als Kind habe ich immer darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn eine Raupe zu viel frisst: könnte sie in ihrem Kokon stecken bleiben? Das ist natürlich Unsinn, aber so kam ich auf meine Figur Nevis – eine Raupe, die in ihrem Kokon feststeckt und den ganzen Tag schlechte Laune hat. 

 

Was ist für Sie der Grund, warum sich nur wenige trauen, ein Kinderbuch zu schreiben?

Ich finde ehrlich gesagt, dass zu viele Leute Kinderbücher schreiben. Wenn man in einem Buchladen nachschaut, gibt es so viele Kinderbücher, die ich einem Kind wirklich nicht zeigen würde. Ein Buch kann einem Kind helfen zu wachsen, aber es kann ein Kind auch in seltsame Richtungen drängen, da es denken könnte, dass Dinge „normal“ sind, die definitiv nicht sein sollten.

Zum Beispiel – ich kenne ein Buch über einen Maulwurf, der herausfinden will, wer ihm auf den Kopf gekackt hat. Das mag für Erwachsene cool sein, aber für ein Kind ist das einfach nur komisch, oder? Die Moral von der Geschichte ist: Wenn dich jemand bescheißt, finde heraus, wer es war und bescheiß ihn. Wenn ich Ghandi zitieren darf: „Auge um Auge macht die ganze Welt blind.“ Das ist das, was dieses Buch in meinen Augen fördert. 

Update: Die Frage würde ich definitiv anders beantworten: Jeder darf/kann/soll Kinderbücher schreiben, sollte aber eine Förderung des Kindes im Auge haben.

 

Was war Ihr Gefühl, nachdem Sie Ihr erstes Buch beendet hatten?

Stolz, ängstlich und irgendwie war es unheimlich. Die letzten beiden Gefühle verschwanden mit der Veröffentlichung des Buches. Jetzt, wo ich vier veröffentlicht habe, hat das Veröffentlichen an Normalität gewonnen. Aber ein ähnliches Gefühl hatte ich, als ich mein erstes englisches Buch der Öffentlichkeit zeigte. Ich bin Deutscher und Englisch ist „nur“ meine zweite Sprache – aber alle englischen Leser haben meinen Stil genossen.

 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, einen bekannten Autor auszuwählen, der Ihr Buch rezensiert. Wer würde es sein? Und warum?

Eric Carle – er ist der Mann hinter „Raupe Nimmersatt“, das ich so sehr genossen habe und das mich zu Nevis inspiriert hat.

 

Warum ist es für viele Kinder wichtig, eine Begegnung mit Ihrer Arbeut zu haben?

Ich schreibe über Dinge, die in meinen Augen im Leben am wichtigsten sind: Liebe, Selbstliebe, eine Verbindung zur Natur, Anti-Gewalt, Anti-Rassismus, Nachhaltigkeit, das Leben im Moment, Aufhören zu viel nachzudenken und dass jeder Einzelne alles erreichen kann, was er sich vorstellen kann.
Unsere Welt muss sich ändern, denn wir sind kurz davor, unsere eigene Rasse auszulöschen. Der einfachste Weg, dies zu ändern, ist, mit den Kindern zu arbeiten und ihnen zu zeigen, dass es mehr im Leben gibt als Geld, große Häuser und so viel zu essen, wie man nur irgendwie in sich stopfen kann.

 

Von 10 Kindern, die Ihr Buch gelesen haben. Schätzen Sie, wie viele von ihnen Ihr Werk ihren Freunden vorstellen würden? Erklären Sie, warum?

Nach meinen Lesungen schätze ich 8-9 von 10. Alle Kinder mochten Nevis, da er über andere Dinge spricht als die anderen Figuren, die sie kennen. Trotzdem sind die Eltern für den Kauf der Bücher zuständig. 

Update: Die Zahl scheint in Wirklichkeit viel kleiner zu sein.

 

Würden Sie sich als Anführer oder als Anhänger betrachten? Warum?

Anführer, definitiv. Ich tue was ich will. Ich schreibe, was ich schreiben will. Ich möchte inspirieren.

Bevor ich mit dem Schreiben anfing, habe ich mich lange Zeit geweigert viele Bücher zu lesen. Schließlich wären meine Bücher ein Brei aus allem, was ich gelesen habe. Ohne zu viel zu lesen konnte ich meinem Stil entwickelt. Wahrscheinlich würde das kein Autor sagen. Für mich ist das meine Art zu schreiben.

Update: Das würde ich heute noch so unterschreiben.

 

Was ist die beste Entscheidung, die Sie in diesem Jahr getroffen haben?

Mit mehreren Illustratoren gleichzeitig zu arbeiten – ich habe so viele Ideen, die ich leicht niederschreiben kann, aber das Illustrieren nimmt viel Zeit in Anspruch.
Jetzt macht es mir richtig Spaß, an mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten, da ich mein Talent für Worte entfalten und viele Ideen umsetzen kann. Ich bin im Moment bei acht Projekten, könnte aber noch mehr machen. Ich brauche nur mehr Künstler, die mit mir zusammenarbeiten.

Update: Würde ich so nicht mehr machen. Derzeit sind vier oder fünf Projekte offen, das reicht.

 

 

Weitere Information und mehr von mir findet ihr in den anderen Beiträgen im Blog. Viel Spaß beim Stöbern!

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