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Besser Leben 31: Zweifel

Zweifel kennt jeder Mensch. Jeder hat deswegen schon einmal etwas sein lassen, sich nicht getraut und einen anderen Weg eingeschlagen, dem er zweifelsfrei folgen konnte. Ich habe lange darüber nachgedacht und versucht zu ergründen, was ein Zweifel überhaupt ist. Wenn man sich online die Definition von Zweifeln anschaut, liest man in etwa folgendes: Es sind Bedenken und eine Ungewissheit, ob man etwas glauben soll bzw. ob es richtig ist. Hier bleibt allerdings eine wichtige Sache außer Acht: der Horizont der anderen:

Der Horizont der anderen

Exakt hier kommt für mich die Frage ins Spiel: Wessen Bedenken sind es, die Zweifel ins Leben rufen? Weil: Wie ich schon oft geschrieben habe, erlebt jeder seine eigene Realität, hat sein eigenes Wissen und seine eigenen Gedanken. Wir lassen uns allerdings oft von anderen Menschen überzeugen, dass ihre Gedanken unsere sind. Ein Beispiel: Wenn ein Mechaniker davon träumt, dass er mit Maultaschen sein Geld verdienen möchte – weil er als Kind schon immer Maultaschen soo gern mochte – dann erzählt er davon in seinem Freundeskreis. Als Antwort sagen höchstwahrscheinlich viele der Freunde, dass das schwierig ist, dass er noch nie gekocht hat, dass er doch lieber in seiner Profession bleiben soll, wo er ein „sicheres“ Leben führt und dass man mit Maultaschen eh kaum Geld verdienen kann. Die Maultaschen-„Leugner“ erzählen dabei von ihrem Horizont – während sie möglicherweise davon träumen mit Katzenstreu zum Millionär zu werden. Da sie allerdings Angst vor dem Schritt des „Träume wahr werden Lassens“ haben oder vielleicht selbst keinerlei Träume haben (oder anderer Art – Familie, Reisen, Keyboard spielen, jeder hat seins), versuchen sie dem anderen den Traum auszureden – man meint es doch gut – und das ist vollkommen menschlich. Hierbei ist es sehr selten, dass man Unterstützung von anderen bekommt – wie Krabben in einem Eimer – siehe Beitrag „Inspiration der Natur„.

Zweifel an sich selbst

Der Mechaniker überlegt und überlegt, findet aber keine passende Lösung, um es allen Maultaschen-Leugnern Recht zu machen, sie zu überzeugen und ihre Zweifel auszuräumen. Da er das unmöglich kann (es allen Recht zu machen schafft keiner!) vergeht Zeit. Irgendwann würde sich der Mechaniker als zu alt sehen, um neu anzufangen, etc….Die Zweifel hätten damit „gesiegt“.

Dieser Mechaniker, der möglicherweise das weltbeste Rezept für unvergleichliche Maultaschen im Kopf hat, hat durch die Meinung der anderen nebenbei sogar noch Zweifel an sich selbst bekommen. Er sieht die möglichen Konsequenzen seines Maultaschen-Imbisses, sieht sich selbst als Obdachloser und hat Angst davor, Frau und Kind nicht mehr ernähren zu können. „Vielleicht ist mein Rezept doch nicht so gut? Wer isst Maultaschen in einem Imbiss, das macht doch keiner!“, etc. Durch die Selbstzweifel bleibt er auf seinem Weg als angestellter Automechaniker. Er ist damit zufrieden, hat glückliche Momente und freut sich von Montag bis Freitagmittag auf das Wochenende – Sonntag Mittag wird jedoch schon gemeckert, dass morgen Montag ist.

Meiner Meinung nach kommt hier die Persönlichkeitsentwicklung ins Spiel. Sobald sich der Mechaniker von den Meinungen der Maultaschen-Leugner befreit und sich selbst sicher, überzeugt und bewusst ist, dass er das beste Rezept hat – kann er nur gewinnen.  Er redet sich jedoch selbst ein, dass ihm das Geld für den Imbiss fehlt, dass ein Maultaschen-Imbiss in seiner Stadt nie funktionieren würde und dass er umziehen muss, damit sein Traum wahr wird. Er zweifelt damit an seinem Weg, ohne je losgelaufen zu sein:

Zweifel am Weg

Der Mechaniker entschließt sich nach einigem Hin und Her, nimmt seinen Mut zusammen und fängt einfach mal an: Er probiert erstmal seine Maultaschen zu perfektionieren. Jahrelang tüftelt er in seiner kleinen Küche an ausgefallenen Kreationen, experimentiert mit Zutaten und Temperaturen, dem richtigen Fett zum Braten – Maultaschen sind für ihn seine Wissenschaft. Die Frau und die Kinder können dabei nur den Kopf schütteln – bis sie anfangen und auf den „Spinner“ des Vaters aufzuspringen – die Maultaschen schmecken! Nach einiger Zeit hält der Mechaniker seine Kreation für perfekt und lädt Freunde zum Maultaschen-Essen ein. Alle stutzen während des Essens – niemand wusste, wie gut der Mechaniker mit den sonst dreckigen Händen kochen kann – weil er sich nie getraut hat, es zu zeigen. Das positive Feedback lässt den Koch jedoch aufleben und er fasst Mut.

Inzwischen haben in seiner Stadt allerdings weltbekannte Imbissketten eröffnet – es gibt Burger, China-Imbisse und viele viele mehr. Das Angebot ist derart vielfältig und die Anzahl an Kunden begrenzt, dass das Eröffnen eines eigenen Imbisses aussichtslos ist. So sucht der Mechaniker einen anderen Weg und überlegt und überlegt. Bis er eines Tages vor dem Tiefkühlregal seines Supermarktes steht und sich inspirieren lässt.

So legt der Hobbykoch richtig los, geht von Laden zu Laden und findet einen Bio-Laden, der seine tiefgefrorenen Maultaschen ins Sortiment aufnimmt. Das Geschäft läuft gut und mehr Bio-Läden wollen seine Maultaschen verkaufen. Er fängt an und arbeitet nur noch halbtags – schließlich mag er Maultaschen viel lieber als Schrauben. Mit der Zeit expandiert er, bringt neue Kreationen auf den Markt, kündigt den Mechaniker-Job und konzentriert sich auf Maultaschen.

Plötzlich ist Montag ein genauso schöner Tag wie Samstag – weil er das tut, was er liebt. Er hätte damals in seiner kleinen Küche nie gedacht, dass das eines Tages Realität werden könnte. Gefrorene Maultaschen zu verkaufen war auch nie die Absicht – es hat sich unterwegs ergeben. Mit dem Verdienst der tiefgefrorenen Maultaschen hat er allerdings genug Kapital, um seinen Traum zu erfüllen und einen ersten kleinen Imbiss zu eröffnen. Weil er damit den Nerv der Zeit trifft und die Maultaschen weggehen wie warme Semmeln, kann er noch schneller expandieren und mehr Leuten seine Maultaschen anbieten…und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute.

Die Rückschläge

Ich habe in diesem Beispiel absichtlich die Rückschläge des Kochs unerwähnt gelassen – aber es hat garantiert mal die Küche gebrannt, die Maultaschen sind zusammengefallen, er hat sie versalzen, hatte die Schnauze voll von Maultaschen und hat eine Pause gebraucht, ecetera. Aber, er hat aus seinen Fehlern gelernt und unaufhaltsam weiter gemacht – bis er seinen Weg gefunden hat. So in etwa läuft in meinen Augen das Leben. Ein Künstler, der fotorealistische Bleistiftzeichnungen fertigt, hat mit Strichmännchen angefangen. Ein Musiker, der zehn Instrumente spielt, hat auf einem Xylofon angefangen. Eine Mutter von zehn Kindern dachte beim Ersten, dass sie damit überfordert ist. Die Leber wächst mit ihren Aufgaben – so ist es beim Menschen auch – allerdings im positiven Sinn.

Welcher Weg der Richtige ist, entscheidet das Individuum für sich – Ob der Weg bisher richtig war – dazu mein Ansatz: Sonst würdest du nicht momentan diesen Text lesen, oder? Scheint doch alles gepasst zu haben!

Außerdem: Man ist nie zu alt, um seinen Weg zu gehen. Es gibt Rentner, die sich im Fitnessstudio einen Körper zulegen, von dem Zwanzigjährige träumen können. Manchen reicht im Alter auch ihr Wissen weiterzugeben (sehr sehr wichtig – Lebenserfahrung ist äußerst kostbar!) und noch unendlich viele andere Wege – jeder hat seinen. Man muss sich nur trauen und anfangen. Den ganzen Weg vorab zu kennen wäre dabei langweilig und mit einer Wartestunde beim Arzt zu vergleichen – denkt mal darüber nach!

Ich freue mich übrigens über Kommentare und Nachrichten – wenn ihr wollt, könnt ihr die Maultaschengeschichte gerne in den sozialen Netzwerken teilen oder mir einen Kaffee ausgeben. Unterstützung in jeglicher Form ist herzlich willkommen – andere Meinungen natürlich auch.

 

C-L Ludwig

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