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Bewusst Leben 16: Angst

Früher war sie nötig

Angst kennt jeder Mensch. Sie hat uns viele tausende Jahre bei unserer Entwicklung geholfen und uns vor bedrohlichen Situation gewarnt. Sie half uns zu fokussieren, acht zu geben und unser Leben zu verlängern. Vielleicht konnten wir damals sogar erfühlen, wenn ein Säbelzahntiger vor unserer Höhle stand oder sich sonst eine gefährliche Situation anbahnte. Dies blieb unverändert, für lange Zeit. Auch im Mittelalter war Angst wichtig um zu überleben. Es gab zwar keine Säbelzahntiger mehr, dafür Wildschweine, Schlangen, allerhand anderes Getier und natürlich Menschen, die uns evtl. verletzten wollten.
Inzwischen sind wir allerdings im dritten Jahrtausend angelangt und haben die Kontrolle über den Planeten vollständig übernommen. Gefährliche Situationen gibt es in unseren Breitengraden  kaum noch. Wenn, dann sind sie meist mit gesundem Menschenverstand vermeidbar. Es gibt in unserer Nähe kaum gefährliche Tiere und die Menschen werden laut Statistik immer friedlicher – es gibt weniger Mord und Körperverletzungen als früher (auch wenn es die Medien anders darstellen). Außerdem haben sich die Dinge, die uns Angst machen, radikal verändert: Jobverlust, Prüfungen, Geldnöte – alles Dinge, die wir früher kaum bzw. nicht kannten und die wir selbst erfunden haben.

Was macht Angst mit uns?

Früher hatten wir vermutlich Angst, als wir in neue, unbekannte Gebiete vorgedrungen sind. Wir wussten nie, was uns erwartet und mussten daher ständig auf der Hut sein. Allerdings mussten wir wohl auch neue Gegenden erkunden, um neue Nahrungsquellen und Rohstoffe zu entdecken und uns weiter zu entwickeln. Mittlerweile hat sich unsere Umgebung zwar verändert, die Angst ist allerdings die gleiche geblieben. Jedes Mal, wenn wir uns außerhalb unseres gewohnten Lebensraums (der Komfortzone) bewegen, bemerken wir Nervosität (Könnte man auch Angst vor dem Unbekannten nennen), die genau genommen fehl am Platz ist. In der unbekannten Stadt, Urlaubsland oder unter neuen Menschen – welche Logik steckt in der heutigen Zeit dahinter, sich vor dem Neuen zu fürchten? Dass ich in der unbekannten Stadt gevierteilt werde, mich unterwegs Wegelagerer ausrauben oder ich von einem Bär angefallen werde, ist heutzutage eher selten. Wovor haben wir dann, rational gesehen, Angst?

Nach meinem Verständnis: Das Neue könnte uns gefallen. Wir könnten Spaß haben und das Neue könnte ganz anders sein, als uns das unser Verstand bzw. das Ego vorspielt. Wir haben Angst davor, dass wir uns weiter entwickeln und vor Allem haben wir Angst vor der Meinung der anderen. Wir sind gefangen auf unserem Weg der Persönlichkeitsentwicklung und fürchten uns davor, Freunde und Familie zu verlieren, weil wir uns verändern und nicht mehr in das veraltete Bild unseres einstmaligen engsten Kreis passen. Dass wir allerdings, sobald wir die Angst besiegt haben, neue Menschen in unser Leben ziehen, die viel besser passen als die alten, das bemerkt man erst, wenn man diesen Weg ein Stück weit gegangen ist.

Wo entsteht Angst?

Um Herr über seine eigene Angst zu werden, gibt es hauptsächlich eines zu verstehen: Angst entsteht ausschließlich im eigenen Kopf und den eigenen Gedanken. Das bedeutet, dass wir unserer Angst entgegenwirken können, in dem wir uns selbst klar machen, dass sie im Moment unnütz ist und uns schlichtweg auf die neue Erfahrung einlassen. Wer allerdings in Afrika auf Safari seiner Angst entgegenwirken möchte, sollte vielleicht vorher kurz nachdenken – in dieser Situation könnte sie gebraucht werden! Zwar nicht wegen eines Säbelzahntigers, aber ein „gewöhnlicher“ Tiger kann einen den Tag auch ordentlich vermiesen.
Meiner Meinung nach ist der nächste Schritt der menschlichen Entwicklung die Entwicklung unseres Geistes und unserer Gesellschaft. Erst wenn wir ohne Angst auf einen Menschen mit anderer Hautfarbe zugehen können, ist Rassismus im Individuum besiegt. Erst wenn wir uns furchtlos unseren Fesseln entgegenstellen, können wir sie sprengen. Erst wenn wir frei von Existenzängsten sind, können wir frei existieren. Erst wenn wir die Angst vor unserer Entwicklung ablegen, nimmt sie Fahrt auf. Erst wenn wir uns klar machen, dass wir eigentlich Angst vor Liebe haben, werden wir lieben können. Das verstehen allerdings nur Menschen, die auf dem Weg der Persönlichkeitsentwicklung einiges hinter sich gelassen haben.

Ein Leben ohne Angst

Kannst du dir vorstellen, vollständig ohne Angst zu leben? Was denkst du, wie das wäre? Hälst du das für möglich? Hinterlass mir doch einen Kommentar oder schreib mir eine E-Mail, mich interessiert die Meinung anderer – hier ist meine:
Wie ich schon in einigen Teilen von „Bewusst leben“ geschrieben habe, ziehen wir unsere Gedanken in unsere Realität. Das bedeutet, wenn wir Angst haben, ziehen wir mehr Situationen, die uns Angst bereiten, in unser Leben. Wenn wir uns dann entscheiden und aufhören ängstlich zu sein, machen wir neue Erfahrungen und erweitern unseren Horizont. Dabei bemerken wir, dass die Angst gegenstandslos war und fangen an, immer mehr an den neuen Situationen zu wachsen. Es entsteht ein Kreislauf, der uns täglich ein Stück aus der eigenen Angst zieht – bis wir sie endgültig hinter uns lassen. Der Lohn ist ein Leben in einer vollkommen neuen Qualität, obwohl sich im Außen kaum etwas verändert hat – man selbst ist allerdings ein neuer Mensch.

 

Viel Spaß beim Spielen mit deiner Angst. Sei dir sicher – sie existiert nur, wenn du über sie nachdenkst!

 

C-L Ludwig

 

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