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Bewusst Leben 12: Sand

Sand – gibt es doch wie Sand am Meer

„Warum schreibt der Typ einen Artikel über Bewusstsein und redet plötzlich über Sand?“, werden vermutlich einige denken. Sand gibt es schließlich überall, er liegt in manchen Ländern sogar frei verfügbar in der Natur. Was allerdings den wenigsten Menschen bewusst ist, ist, dass Sand nach Wasser der wichtigste Rohstoff für die Menschheit ist. Schließlich benutzen wir ihn in der Bauindustrie und der Glasherstellung. Zwei Geschäftszweige, die stetig wachsen und mehr Rohstoffe verschlingen. Das Problem dabei: Das zermahlene Gestein geht in seiner Verarbeitung chemische Verbindungen ein, die in überschaubarer Zeit quasi unlösbar sind. Außerdem ist Sand nicht gleich Sand. Wüstensand eignet sich zum Beispiel überhaupt nicht für das Mischen von Beton.
Dass Wasser evtl. knapp werden könnte, ist vielen Menschen bewusst. An Sand denkt allerdings kaum jemand, obwohl die Ausbeutung des Planeten direkt vor unseren Augen geschieht und eigentlich erkennbar ist.

Die Bauindustrie

Der größte Verbraucher des Rohstoffes ist die Bauindustrie. Da die Bevölkerung explodiert, es die Menschen immer mehr in Städte zieht und diese enorm expandieren müssen, werden auch die benötigten Mengen an Sand größer. Nebenbei stehen zwar tausendfach Häuser leer, doch werden neue oft als Kapitalanlage gebaut – ein Markt, der kaum zu regulieren ist. Dubai (!) ist inzwischen so weit, dass für den Bau des Burj Khalifa der Sand aus Australien importiert werden musste. Das Handelsvolumen weltweit beträgt im Übrigen etwa 70 Milliarden Dollar pro Jahr. Sand ist zwar global verfügbar, allerdings gibt es keinerlei Schätzungen, wie viel davon auf unserem Planeten existiert. Daher ist sein Verbrauch auch nicht geregelt und es entstehen mittlerweile (vermehrt in Indien) sogar Sand-Mafias, die das kostbare Gut über Grenzen schmuggeln und dabei über Leichen gehen.

Von Glas zu Sand

Unser Glas besteht zu 75 % aus (Quarz)Sand. Altglas wird durch Recycling wieder neues Leben eingehaucht, wobei der Prozess sogar energiesparender ist als die Produktion von frischem Glas. Dieses Glas allerdings zurück in Sand zu verwandeln ist ein langwieriger Prozess, der in der Natur vom Meer und Flüssen übernommen wird. Die Bewegungen des Wassers lässt die Steinchen aufeinander prallen, wobei das Glas wieder in seine Partikel zerrieben wird. Das Problem dabei ist allerdings, dass dieser Prozess tausende Jahre dauert und wir mehr Rohstoff aus der Natur entnehmen, als auf natürlichem Wege entsteht. Mittlerweile gibt es sogar Maschinen, die das Glas wieder zu Sand mahlen bzw. zerkleinern. Hier sprechen wir allerdings von verschwindend geringen Mengen, die auf unserem Planeten nicht auffallen.

Sand in allen Produkten

Da Sand zu großen Teilen aus Siliziumdioxid (SiO2) besteht, steckt er in vielen Produkten, in denen man ihn kaum vermuten würde: Mikrochips, die in beinahe jedem High-Tech-Gerät verbaut sind, sind dabei nur eine Anwendung. Der Rohstoff wird auch für die Herstellung von Papier, Waschmittel, Kunststoff und Stahl sowie Kosmetika alle Art verwendet. Dies ist aber nur eine äußerst grobe Umkreisung der Anwendungsgebiete. Im Endeffekt haben wir das Material ständig um uns, genau wie die Luft, die wir atmen. Bewusst ist das allerdings kaum jemandem.

Die Schäden für die Umwelt

Sand wird oftmals vom Meeresboden abgesaugt. Leider wird damit der Lebensraum für unzählige Tierarten zerstört. Sobald die Lebewesen im Untergrund allerdings fehlen, löst das eine Kettenreaktion aus, die sich auf immer größere Tiere niederschlägt. Wir zerstören mit dem Lebensraum nämlich auch die Futterquelle anderer Tierarten. Außerdem bemerkt man das Absaugen an den nahe gelegenen Stränden. Dort rutscht der Sand nämlich wie bei einem Sandhaufen nach und nimmt den Strand mit sich.

Durch den Abbau werden auch Korallenriffe zerstört und die Fische verschwinden. In Indonesien zum Beispiel sind sie die Nahrungsgrundlage für einen Großteil der Bevölkerung. Fehlt diese, verlieren die Menschen vermutlich alles. Außerdem kann der übertriebene Abbau Meeresströmungen ändern, was sich wieder negativ auf die Fischerei auswirkt und noch weitreichendere Folgen hat. Der Wahnsinn mit dem Sand geht sogar so weit, dass Indonesien Singapur für das Verschwinden von 25 Inseln beschuldigt.

Fazit

Dieser Artikel enthält das Wort Sand übrigens 24 mal – aus einem Grund: Es existiert kein Synonym. Ähnlich läuft es wohl auch mit einem Ersatzstoff. Mir müssen also mit dem auskommen, was wir zur Verfügung haben und noch genügend für die Generationen nach uns übrig lassen – oder einen geeigneten Weg des Recyclings finden.

Geschrieben habe ich diesen Artikel aus einem Grund: Meiner Meinung nach steht der Sand in unserer Gesellschaft als Paradebeispiel für so vieles, was schief läuft. Direkt vor unseren Augen sehen wir, wie immer mehr Häuser aus dem Boden gestampft werden, immer größere Gebäude gebaut werden, etc. Woher der Sand dazu stammt und was mancherorts dafür in Kauf genommen wird – daran denkt kaum jemand.

 

C-L Ludwig

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