Besser Leben 33: Die Opferrolle

Besser Leben 32: Der Prozess
8. Mai 2019

Besser Leben 33: Die Opferrolle

Was ist eine Opferrolle, hab ich sowas, wie bin ich da reingekommen und wie komme ich wieder raus? Dazu gibt es erstmal eine Verantwortlichkeit zu klären: Wer ist verantwortlich, wenn man sich schlecht fühlt? Wer kann etwas dafür, wenn man einen schlechten Tag hat? Wer stellt einen auf die Beine, wenn man am Boden liegt? Wem kann ich die Schuld geben, dass mein Tag anders läuft als geplant? Die Antwort schockiert, aber es ist die einzig logische: jeder sich selbst. Allerdings ist es für uns leichter die Schuld auf andere zu schieben, anstatt an uns selbst zu arbeiten. Wie in meinem letzten Beitrag „Der Prozess“ geschrieben, hat allerdings jede Medaille zwei Seiten. Genau das kommt in diesen Sätzen zur Anwendung.

Anstatt mich über das Fehlverhalten eines Kollegen aufzuregen, kann ich mir genauso verdeutlichen, dass es sein Verhalten ist und ruhig bleiben. Zwar durchkreuzt er damit meine Deadline, aber ich kann bei der Präsentation deutlich darauf hinweisen, dass die Verantwortung der Terminverschiebung bei Herrn XY liegt – und bin aus dem Schneider. Wir lassen uns allerdings oftmals in die Opferrolle drängen, die vielseitig und vielschichtig ist.

Was ist eine Opferrolle?

Die Opferrolle lässt sich schnell erläutern: Ein Gefühl hilflos und unfähig zu sein, um sein Schicksal zu verändern. Man glaubt, dass man das Opfer der Taten anderer bzw. seiner Umstände ist. Andere fühlen sich ungerecht behandelt, übergangen und benachteiligt. Wieder andere vergleichen sich mit den Stars und Sternchen im TV, die ein sooo tolles Leben führen (und dann oftmals Selbstmord begehen!?!?). Teilweise ist man auch nur selbstgerecht und bequem.

Dies verschafft einem eine kurzfristige Linderung der seelischen Schmerzen. Auf Dauer angewendet ist die Opferrolle allerdings Gift und führt zu Depressionen und vielen anderen mentalen Krankheiten, die sich mit der Zeit auch auf den Körper auswirken. Ein Beispiel dazu sind chronische Schmerzen. Eigentlich ist das ein Wink mit dem größtmöglichen Zaunpfahl, den der Körper finden kann. Die Menschen sind allerdings in großen Teilen so abgestumpft, dass man sie mit dem Zaunpfahl umhauen muss, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen – was ein Körper mit den Jahren auch tut.

Die Opferrolle…

…durch Außenstehende

Der oben erwähnte, unpünktliche Kollege XY deutet im Gespräch an, dass er aufgrund von – hier Ausrede einfügen – die Deadline nicht einhalten konnte. Das sind allerdings seine Probleme, wegen denen ich schlecht da stehen soll? Oftmals nehmen wir das auf uns, möglicherweise damit man uns mag. Ich bin allerdings vollkommen gegen diese Art des zu Hilfe kommens. Herr XY lernt dadurch nur, dass er mit seinen Unzulänglichkeiten durchkommt und probiert es eventuell beim nächsten Mal erneut. Hier stellt sich für mich die Frage: Wollen wir gemocht werden, weil wir ein guter Fußabtreter sind oder weil wir sind, wie wir sind? Möglicherweise machen wir uns bei Herrn XY beliebt, weil wir ihn aus seiner selbst verursachten Sch**** ziehen, aber brauchen wir wirklich die Zustimmung eines anderen, oder nutzt Herr XY uns nur aus? Selbstverständlich gibt es Umstände, bei denen zu Hilfe eilen unbedingt nötig ist – schlechte Zeiteinteilung ist bei diesen Umständen allerdings raus.

…durch uns selbst

Eine weitere Art der Opferrolle drücken wir uns selbst auf, weil wir so erzogen wurden oder es uns vorgelebt wurde bzw. wird: Wir geben dem Schicksal oder anderen die Schuld an unserem Leben bzw. Leiden. Solange wir anderen allerdings die Schuld bzw. Verantwortung (es ist das gleiche, siehe Artikel Schuld und Verantwortung) für unser Leben geben, haben andere Macht über uns. Ich kann mir einreden, dass die Erziehung meiner Eltern mich zu dem gemacht hat, der ich bin, oder ich nehme mein Schicksal in meine Hände und bin, wie ich sein möchte. Ich kann einen Schicksalsschlag als Ausrede nutzen, um mein Leben lang schlecht gelaunt zu sein, oder ich nutze ihn, um daran zu wachsen und ein stärkerer Mensch zu werden. Egal was mir passiert, ich kann mir immer (!) sicher sein, dass ich dieses Ereignis vorher (oftmals Jahre) in meinen Gedanken hatte. Hätte ich sie früher beherrscht, wäre das Ereignis ausgeblieben.

…durch unser Selbstbild

Wie ich in meinem Beitrag Das Selbstbild geschrieben habe, strahlen wir aus, was wir von uns denken: Wer sich für schwach hält, lädt andere ein auf ihm herumzutrampeln. Wer sich für nicht liebenswert hält, verbarrikadiert anderen die Möglichkeit ihn zu lieben. Wer seinen Selbstwert von der Zustimmung und Anerkennung anderer abhängig macht, wird ein Leben lang mit seinem eigenen Wert zu kämpfen haben. Wer sich aufgrund der Worte eines anderen Menschen schlecht fühlt, sollte darüber nachdenken, wer der Herr seiner Gedanken ist. Solange man eine emotionale Reaktion auf Dinge hat, die zu einem gesagt werden, hat der andere Macht über einen. Erst wenn ich es schaffe meine Emotionen, Gefühle und Reaktionen (von reagieren, mit der Umwelt) unter Kontrolle zu halten, bin ich wirklich frei.

Das klingt vielleicht hart, ist aber die Realität, mit der es sich besser früher als später abzufinden gilt. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, hat mal jemand zu mir gesagt.

Wozu sehen wir uns als Opfer?

Wer sich als Opfer sieht (das muss einem allerdings erst einmal bewusst werden!) tut was höchstwahrscheinlich, um sich besser zu fühlen als die „bösen“ und „unmoralischen“ Täter, die einem die vielen „Ungerechtigkeiten“ antun. So werden die anderen die Schuldigen am eigenen schlechten Gefühl. Außerdem ergattern wir uns Mitleid und Trost bei anderen Menschen, was auch eine Art von Zuwendung ist. Zudem haben wir das Gefühl, dass uns die anderen (Das Leben, andere Menschen, Gott) etwas schulden und wir können uns, ohne irgendetwas zu tun, im Recht fühlen. Das mit dieser Einstellung auf Dauer allerdings alles beim alten bleibt, sollte sofort klar sein – und wer will, dass alles bleibt wie es ist, verhindert eine bessere Zukunft.

Zum Abschluss

Ich benutze für diesen Zustand der Opferhaltung ein Wort: miserabel. Laut Duden: „auf ärgerliche Weise sehr schlecht“ bzw. „erbärmlich“ bzw. „niederträchtig, gemein“ – wie wir uns selbst behandelt.

Wir leben in einem selbsttragendem System, in dem jeder für sich selbst verantwortlich ist. Das Leid eines anderes, seine Opferrolle und seine miserable Art die Welt zu sehen interessiert dabei keinen Menschen. Mittlerweile sind wir allerdings an einem Punkt angekommen, an dem uns von außen so viel Negativität eingeflößt wird, dass es schwer ist (solange man das glaubt ist es auch so!), eine positive Haltung zum Leben zu entwickeln. Der Mensch ist allerdings ein liebevolles und positives Lebewesen, tief vergraben unter vielen Schichten von Opferrolle, Selbstmitleid und Hass.

Das bedeutet: Wir rotten uns derzeit selbst aus, falls das sonst niemandem aufgefallen ist. Aus seiner Opferrolle auszubrechen und tun was man möchte, ist in meinen Augen das wirksamste Gegenmittel gegen die Selbstvernichtung – weil wir alle einen positiven Lebenssinn im Kopf haben – ich bin mir zu 100% sicher. Wenn mehr Leute positiv denken, wirkt sich das nicht nur auf die Menschheit, sondern auf das ganze UNIVERSUM aus, von dem wir bisher nur wenige Quadratlichtjahre kennen. Aber: jeder Mensch hat somit seinen Wert und kann seinen Beitrag zu einem besseren Leben für alle leisten – indem er sein bestmögliches Leben führt.

In der Spiritualität wird das Universum und der Mensch oftmals mit Schwingungen verglichen. Unser Totpunkt wäre der Stillstand dieser Schwingung. Im Gegenzug bedeutet eine Schwingungserhöhung eine positivere Lebensweise. Diese Schwingungen senden wir nämlich aus und stimmen – bildlich gesprochen – ein Lied an, alle miteinander – das Zusammenleben. Ob es gut klingt, liegt dabei an jedem einzelnen Sänger, Trommler, Triangel-Spieler und dem Typen am Xylofon. Denkt mal darüber nach!

Übrigens: Leiden ist freiwillig – also wozu leiden – hat da irgendeiner meiner Leser wirklich Bock drauf? Hinterlasst mir doch bitte einen Kommentar oder schreibt mir eine Nachricht – ich kann helfen, falls ihr irgendwo feststeckt, das bleibt auch unter uns, zu 100%. Da eine Hand aber die andere wäscht, könnt ihr im Gegenzug entweder die Reichweite meiner Beiträge erhöhen (aka. Teilen, darüber reden, meine Bücher empfehlen, etc.) oder ihr gebt mir einen Kaffee aus, damit ich weiter solche Texte schreiben kann – ansonsten suche ich mir andere Beschäftigungen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen – wie ihr versteht – es liegt an euch!

 

Christian-Lothar Ludwig

 

 

 

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