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Besser Leben 32: Der Prozess

Wer die anderen Beiträge in meinem Blog gelesen hat, fragt sich möglicherweise, wann die große Veränderung kommt. Vielleicht wird eine radikale Änderung über Nacht erwartet oder ein großes Ereignis, dass erst durch sein Eintreffen alles verändert. Hier muss ich allerdings enttäuschen: Das Leben läuft anders. Jeder, der seinen Körper trainieren will, macht mehr als nur einen Tag Liegestütze. Jeder, der mit seinen Erfindungen die Welt verändert, hat mehr als einen Tag daran gearbeitet. Persönliche Entwicklung und dadurch ein besseres Leben läuft in eben diesen Bahnen. Anstatt sich also zu fragen, was passieren könnte bzw. müsste, damit man seine Wünsche auf einmal erfüllt bekommt, sollte man lieber darüber nachdenken, was man in seinem Leben erreichen/ machen/ erleben möchte.

Alles auf einmal, und dann?

Wer sein Leben lang darauf hofft, dass eine Kavallerie aus dem Himmel kommt und alle Wünsche wie ein Flaschengeist erfüllt – der wartet sein Leben lang. Die Kavallerie ist jeder selbst, für sich – gute Menschen (in meinen Augen) unterstützen zusätzlich „das Heer/ Die Kavallerie“ der anderen. Außerdem: Stell dir vor, du bekommst alle deine Wünsche auf einen Schlag erfüllt – was machst du am nächsten Tag – im nächsten Jahr – nach zehn Jahren – nach 200? Wie alt willst du werden, wenn doch alle deine Wünsche schon wahr geworden sind? Das sind eigentlich perplexe Überlegungen, aber sie sind wichtig. Denn nur so können wir kapieren, dass es schöneres gibt, als alles auf einmal zu bekommen.

Ich persönlich habe mir zum Ziel gesetzt, eines Tages mit meinem Mädchen in Namibia auf meiner Veranda zu sitzen und das Großwild am Horizont im Sonnenuntergang zu beobachten. Dafür arbeite ich, dafür schreibe ich Kinderbücher, die ich mit möglichst viel Inspiration würze, um nachfolgenden Generationen meine Ansichten zu vermitteln. Meinen Schreibstil zu lernen hat allerdings mein ganzes Leben gedauert und viel Aufmerksamkeit, viel Denkarbeit und unvorstellbar viele Rückschläge, Opfer und Wutausbrüche gekostet – auch wenn im außen selten bis nie irgendwer etwas davon mitbekommen hat. Ich lebe für mich.

Mir fallen übrigens noch etliche Ziele vor und nach Namibia ein – darauf liegt allerdings mein Hauptaugenmerk – der Rest kommt unterwegs auf. Für zwischendurch habe ich mir kleinere Ziele gesteckt:, die für manche wahrscheinlich bescheuert klingen (Mir egal, es sind meine!): Ich möchte einen Rotkardinal (auch Virginische Nachtigall genannt) in freier Natur erleben. Das sind in meinen Augen wunderschöne Vögel, die auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet sind. Außerdem möchte ich so viel Cabrio fahren wie möglich – meinen Z4 musste ich unterwegs schweren Herzens verkaufen, eines Tages werde ich wieder einen besitzen. Selbst wenn ich mir jedoch zehn Ferraris leisten könnte – ich möchte einen weißen Z4 mit rotem Leder und 3.0 Liter Motor, Automatik und 19 Zoll Felgen. Soll heißen: Ich weiß, was ich will.

Wer sich allerdings einen Lottogewinn wünscht und nur auf diesen einen Jackpot aus ist – der wartet höchstwahrscheinlich sein Leben lang. Wer allerdings eine passende Idee hat und mit dieser innerhalb eines Jahres Millionär werden möchte – dessen Chancen stehen weit besser. Zumindest sehe ich das Leben auf diese Weise – ich lass mich aber gerne eines besseren belehren. Dass Ausnahmen die Regel bestätigen – das hört man oft – ob das in dieser Hinsicht allerdings richtig ist, bezweifle ich. Die, die im Lotto gewinnen, stürzt der Jackpot oftmals nach einiger Zeit ins Chaos – tot gesoffen, krank, Familie und Freunde vergrault. Wozu dann das ganze Geld? Trotzdem können manche anscheinend von null auf Millionär mit dem Geld umgehen, andere gehen eben daran zugrunde. Ich will an diesem Beispiel etwas verdeutlichen: Es ist wichtig aus den Fehlern anderer zu lernen. Das erspart einem eigene.

Was für den Prozess nötig ist

Ich höre von Menschen oft, dass sie (zum Beispiel) unpünktlich sind und es quasi normal ist, dass sie sich verspäten. Ich soll mich sozusagen mit ihren Unzulänglichkeiten zufriedengeben, mit denen sie sich schon lange abgefunden haben. Also lerne ich entweder die Verspätung korrekt abzuschätzen oder suche mir Menschen, denen meine Zeit ebenso wichtig ist wie ihre. Ich entscheide mich allerdings bei jeglichen Menschen lieber für die zweite Version. Wer von seinem eigenen Verbesserungspotential weiß (es selbst sagt?!) und zu faul/ eingefahren (oder was weiß ich) ist, um daran irgendetwas zu ändern, naja – lass ich gern machen.

Die Veränderung wäre allerdings sehr einfach umzusetzen: Um von einer „unpünktlichen“ Person zu einer „pünktlichen“ zu werden, muss man sich nämlich nur diese Verbesserung mental vor Augen halten und jeden Morgen mit Willen aufstehen und sie durchsetzen.

Das klappt am ersten Tag garnicht, am zweiten Tag bei einem Meeting, zwei Wochen lang vergisst man sein Ziel wieder und fasst sich erst nach einer erneuten Zurechtweisung ein Herz. Dann hält man eine Woche durch, um wieder an einem Tag zu allen Verabredungen zu spät zu kommen. Nach vielen Wochen des Versuchens und Probieren bemerkt man irgendwann, dass man irgendwie und irgendwo ein pünktlicher Mensch geworden ist. In diesen Worten verbirgt sich eine ganz normale Lernkurve, die jeder für sich schon erlebt hat. Jedes Jahr an Silvester beginnt beispielsweise eine neue Runde dieses Spiels, die viel zu oft am 2. Januar endet.

Mein Augenmerk liegt auf…

Um seine Persönlichkeit auf Vordermann zu bringen, sollte man sich dementsprechend den „Ist-Zustand“ vor Augen halten und für sich entscheiden, wie man sein möchte. Selbstverständlich kann man sich auch viele Aspekte gleichzeitig vornehmen – Das Leben, der Körper und der Geist geben einem alles Nötige zur rechten (!) Zeit. Die in meinen Augen wichtigsten Eigenschaften liste ich einfach mal auf:

– geduldig (um auf seine Wünsche warten zu können)
– liebevoll (alles, was mit Liebe gemacht wurde, schmeckt besser)
– erwartungslos (Erwartungen tun nur weh)
– Aufmerksamkeit (auch Achtsamkeit genannt – damit wird persönliches Wachstum sozusagen „bezahlt“ – im Englischen: „pay attention“)
– realistisch (was das für den Einzelnen ist – das weiß jeder selbst am besten)
– Willen (mit ausreichend Willen kann unrealistisch zu real werden, nur mal so…)
– wissen was man will (Man kann im größten Lebensmittelgeschäft der Welt stehen – ohne Hunger gibt es „nix gutes zu essen“)
– offen sein (Manchmal ist es besser, wenn der eigene Wunsch verwehrt bleibt – das führt zu etwas besserem – so ist das Leben!)
– respektvoll (vor Körper, Natur, Leben und was man sonst noch alles respektieren kann)
– belehrbar (Ein „dummer“ Mann beachtet nur seine Ideen, ein weiser Mann bezieht alle mit ein)
– mutig (zu tun, was andere möglicherweise verurteilen könnten – aber: Wen juckt, was die anderen denken?)
– Beständigkeit (täglich etwas für seine Ziele tun, auch wenn es einem mal „schlecht geht“ – an solchen Tagen habe ich früher einen Satz geschrieben)
– Vertrauen (in seinen Weg, seine Fähigkeiten, sein Talent)
– Vorstellungskraft (Du kannst es dir vorstellen – du kannst es erreichen)
– Glauben (das man schafft, was man sich vornimmt)
– Intuition (Die Dinge tun, die man tun möchte/ muss/ soll/etc. – sie führen einen dahin, wo (und wie) man sein möchte)

Das ist allerdings nur eine äußerst grobe Auflistung möglicher Punkte. Jeder kann diese Liste beliebig erweitern oder verkleinern – nach seinen Vorstellungen.

Der Weg ist das Ziel

Diesen – auf den ersten Blick – nutzlosen Satz aus der Überschrift hört man häufig. Ich dachte früher, dass ich den Weg irgendwie aushalten muss, um am Ziel glücklich zu sein. Nach einigen Jahren ging mir diese Vorstellung dermaßen auf die Nerven, dass ich anfing und mich mit dem Weg beschäftigte. Mir wurde klar, dass der Weg etwas ist, dass ich täglich tue. Das Ziel ist allerdings nur ein Moment, der schneller vorbei ist, als ich ihn fassen kann. So lernte ich meinen Weg zu meinen Zielen lieben zu lernen. Ich fing an in schlechten Dingen etwas Gutes zu sehen, was mein Leben plötzlich und unabsichtlich auf den Kopf stellte.

Jede Medaille hat zwei Seiten, sagt man. Diese Metapher lässt sich locker auf alle Aspekte des Lebens ausweiten: Ich kann mich über einen abgesagten Flug aufregen oder es als einen Wink sehen, um im Land zu bleiben. Ich kann in einem aggressiven Tier nur seinen derzeitigen Zustand sehen oder mir klar machen, dass das Tier aus Gründen so geworden ist, gegen die ich etwas tun kann. Ich kann in der Geburt eines Babys etwas unpassendes und völlig irrationales sehen oder mich auf die neue Situation freuen, selbst mit dem Wissen, dass es schwierig werden könnte. Ich kann mich über einen abgesagten Termin ärgern oder die freie Zeit für mich genießen. Ich kann über das regnerische Wetter schimpfen oder es für einen gemütlichen Tag vor dem Holzofen nutzen. Ich kann Texte von einem Typen mit verrückten Ansichten als eine abgedrehte Form der Einschüchterung sehen oder seine Ansichten in Betracht ziehen, darüber nachdenken und sehen, ob er es nur gut meint oder gut macht.

Ich könnte endlos solche Beispiele niederschreiben. Was ich aber damit aussagen möchte, ist eigentlich nur: Wer seinen Blick nach innen schärft, bemerkt mehr, als das Auge sieht. Das geschieht jeden Tag ein kleines Stück mehr – solange man jeden Tag ein kleines Stück geht bzw. hinter sich lässt. Ein Vergleich von gestern auf heute ist dabei schwierig – ich finde den Vergleich im viertel-, halb oder jährlichen Rhythmus für angebrachter.
Ein Denkansatz noch oben drauf: Was macht wohl mehr Spaß? Ständig mies gelaunt zu sein oder ständig zu lächeln. Ich sehe die Zukunft in der zweiten Version.

Zum Abschluss:

Im menschlichen Verstand ist alles möglich. Alles, was wir uns vorstellen können, können wir erreichen. Stellt euch vor, alle wissen das, wir leben danach, lernen es in der Schule, helfen uns gegenseitig mit unseren Vorstellungen und fangen an offen über Ideen zu reden, die zig Jahre später Realität sind. Für mich sieht so die menschliche Zukunft aus. Das ist die Evolution unseres Denkens, unseres Verständnisses und unserer Verbindung zur Natur und unseren Mitmenschen, jenseits von Hautfarbe, Religion, Herkunft und anderen unwichtigen Dingen.

Unvorstellbar, was möglich sein wird.

C-L

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